Die Auftragslage im Bauhaupt- und Ausbaugewerbe ist nach wie vor sehr gut.
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Handwerk hält die Stellung

Herbst-Konjunkturumfrage zeigt unterschiedlich starke Auswirkungen der Corona-Krise auf die einzelnen Gewerke.

Ostfriesland. Die Corona-Pandemie hat auch im ostfriesischen Handwerk ihre Spuren hinterlassen. Das zeigt sich im aktuellen Herbst-Konjunkturbericht der Handwerkskammer für Ostfriesland. So verbuchte der aktuelle Geschäftsklima-Index einen Rückgang von 133 auf 118 Punkte. Trotzdem vermeldeten 55 Prozent der befragten Betriebe eine gute, beziehungsweise bessere Geschäftslage als im Vorquartal. „Insgesamt ist das Handwerk mit einer Auftragsreichweite von zehn Wochen gut ausgelastet. Das ist aber vor allem dem Bauhaupt- und dem Ausbaugewerbe geschuldet“, kommentiert Hauptgeschäftsführer Jörg Frerichs die aktuelle Konjunkturumfrage. Die Indizes der einzelnen Gewerke zeigten jedoch starke Schwankungen. „Die Gewerke sind unterschiedlich stark von der Pandemie betroffen“, so Frerichs weiter.

Mit Blick auf die einzelnen Handwerkszweige ist das Ausbaugewerbe mit 137 Indexpunkten der Spitzenreiter und konnte trotz Pandemie im Vergleich zum Vorjahr noch um drei Punkte zulegen. Rund 95 Prozent der befragten Betriebe meldeten eine gute beziehungsweise befriedigende Geschäftslage. Mehr als jeder dritte Betrieb verzeichnete gesteigerte Umsätze und ein Auftragsplus.

Auf dem zweiten Platz landet das Bauhauptgewerbe mit einem Geschäftsklimaindex von 128 Punkten und büßt damit im Vergleich zum Vorjahr sieben Indexpunkte ein. Trotzdem berichteten 67 Prozent der befragten Baubetriebe von einer besseren und 30 Prozent von einer unveränderten Geschäftslage. Ähnlich wie auch im Ausbaugewerbe erwarten auch hier rund 85 Prozent, dass die Geschäftslage in den kommenden Monaten gleich bleiben wird. „Die Auslastung ist in beiden Gewerken nach wie vor sehr gut. Sie waren von dem Lockdown im Frühjahr kaum betroffen“, erklärt Frerichs die positive Entwicklung.

Etwas schlechter sieht es dagegen im Kfz-Handwerk aus. Hier stellt man sich weiterhin auf schwierige Zeiten ein. Der Geschäftsklimaindex ist um sieben Indexpunkte auf 104 gesunken. Die Geschäftslage wurde zwar von 25 Prozent der Betriebe positiv beurteilt, jedoch meldeten auch 35 Prozent Umsatzeinbrüche und Auftragsrückgänge. Alle weiteren Konjunkturindikatoren bewerteten die Betriebe als unverändert.

Besonders hart getroffen hat die Pandemie die Handwerke für den persönlichen Bedarf und die Gesundheitshandwerke. Insbesondere die Friseure und Kosmetiker litten Anfang des Jahres unter den coronabedingten Betriebsschließungen. Mit einem Geschäftsklimaindex von 85 sinkt der Wert bei den Gesundheitshandwerken um 49 Punkte. „Durch die Abnahme der Arztbesuche, haben sich auch die damit verbundenen Aufträge reduziert“, so der Hauptgeschäftsführer.

Die Handwerke für den persönlichen Bedarf verlieren rund 46 Punkte und sinken damit auf einen Wert von 93 Indexpunkten. Die Hälfte der befragten Betriebe aus dem Handwerk für den persönlichen Bedarf rechnet mit einer gleichbleibenden Geschäftslage. Jeder zweite Betrieb aus dem Gesundheitshandwerk prognostiziert hingegen eine negative Entwicklung mit sinkenden Umsätzen und Auftragsrückgängen.

Ähnlich sieht es bei den gewerblichen Zulieferern aus. „Bei vielen großen Autoherstellern stand die Produktion für einige Wochen still, das hat sich natürlich auch auf die Zulieferer ausgewirkt“, erläutert Frerichs. Ein Verlust von 40 Indexpunkten bedeutet einen Wert von 89 auf dem Geschäftsklima-Index. Mehr als jeder dritte Betrieb geht davon aus, dass sich die Situation weiter verschärfen wird.

Mit einem Rückgang von 71 Punkten ist das Nahrungsmittelhandwerk jedoch am stärksten von der Pandemie betroffen. Der Index sinkt damit auf einen Wert von 71 Punkten. Insgesamt meldeten 75 Prozent der Bäcker, Konditoren und Fleischer Auftragsrückgänge. „Zahlreiche Veranstaltungen mussten abgesagt werden. Damit sind auch viele Aufträge weggebrochen. Nach den Betriebsschließungen im Frühjahr durften Caterer und Cafés in Bäckereien unter strengen Auflagen zwar wieder öffnen, viele Kunden haben darauf aber zunächst sehr zurückhaltend reagiert“, resümiert der Hauptgeschäftsführer. Die Aussichten auf das kommende Quartal werden von den Betrieben ebenfalls überwiegend negativ bewertet.

Weitere Information zum Konjunkturbericht auf der Webseite der Handwerkskammer unter www.hwk-aurich.de

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Bild_HWK_Konjunktur_Maler: Die Auftragslage im Bauhaupt- und Ausbaugewerbe ist nach wie vor sehr gut.

Foto: HWK/W. Feldmann

Bild_HWK_Konjunktur_Friseur: Die Friseure und Kosmetiker wurden im Frühjahr von den coronabedingten Betriebsschließungen besonders hart getroffen.

Foto: HWK/Salon Hairfashion