Sarah Mürmann (r.) bespricht mit den Berufsschülern den Zuschnitt des Bogens ©HWK/T.Kruse

Junge Handwerker üben alte Techniken

Monumentendienst unterweist Auszubildende / Projekt findet großen Zuspruch.

Ostfriesland. Workshops für die Berufe Maler, Tischler und Maurer hat der Monumentendienst in den letzten Wochen an einigen Berufsbildenden Schulen Ostfrieslands angeboten. „Es geht darum, dem Berufsnachwuchs alte Techniken zu vermitteln, die sonst in Vergessenheit geraten“, erklärt Projektleiterin Bente Juhl anlässlich einer Fortbildung in den Berufsbildenden Schule II in Aurich. Aufgabe des Monumentendienstes ist es, bei der Unterhaltung historischer Gebäude wie Mühlen, Bauernhöfen, Gulfhöfen, Arbeiterhäusern oder Burgen zu beraten. Eigentümer derartiger Objekte werden bei der Bewahrung historischer Gebäude unterstützt. Die Einrichtung wurde im Jahr 2004 als Initiative der Stiftung Kulturschatz Bauernhof gegründet.

Das Prinzip ist einfach: Der Monumentendienst will einzigartige Architektur langfristig bewahren, indem Experten mit ihren Pflege- und Wartungsangeboten Eigentümer fachkundig, unabhängig und objektiv beraten. Nur eine aktive Baupflege kann die Gebäude langfristig schützen und damit eine vielfältig gewachsene Kultur- und Denkmallandschaft erhalten. Schäden durch fehlerhafte Restaurierungen, Schimmel, Schädlingsbefall der Holzteile, undichte Dächer, der Einsatz unsachgemäßer Materialien oder auch die falsche Beurteilung der historischen Bausubstanz führen häufig zu gravierenden Schäden, hohen Folgekosten oder gar zum totalen Verlust.

Der Monumentendienst wird lediglich beratend tätig und führt die Arbeiten nicht selbst aus. Oft geht es darum, für die Restaurierung versierte Handwerker zu finden, die altes Mauerwerk wieder in Muschelkalk herstellen können, Kastenfenster reparieren oder Wandanstriche originalgetreu aufarbeiten. Vor diesem Hintergrund veranstaltet die Organisation unter dem Titel „Vergangenheit hat Zukunft – Perspektiven für historisches Handwerk“ Seminare in den Berufsschulen. „Die Handwerker, die noch wissen, wie man beispielsweise eine Scheibe einkittet, scheiden allmählich aus dem Berufsleben aus. Ihr Wissen müssen wir an jüngere Kräfte weitergeben“, sagt Projektleiterin Bente Juhl.

Insgesamt 23 Veranstaltungen zu dem Thema hat der Monumentendienst im Rahmen des Europäischen Kulturerbejahres (European Year of Cultural Heritage) angeboten. Damit soll das Bewusstsein für dieses reichhaltige Erbe und die Bereitschaft zu seiner Bewahrung geweckt werden. Die Europäische Union hat diese Veranstaltungen gefördert. „Wünschenswert wäre eine Verstetigung dieser Arbeit. Darauf drängen wir nach unseren ersten Erfahrungen“, so Bente Juhl. Denn das alte Handwerk kommt gut an. „Die Auszubildenden sind begeistert“, bestätigt auch Studiendirektor Stefan Eilers von der BBS Aurich. Einige hätten sogar den Wunsch geäußert, nach der Lehre die Fortbildung zum „Restaurator im Handwerk“ anzustreben.

Die eintägigen Seminare könnten natürlich nur Impulse geben. „Aber wenn wir in jedem Jahrgang bei ein oder zwei Teilnehmern ernsthaftes Interesse geweckt haben, sind wir schon einen großen Schritt weiter“, so Bente Juhl. In den Seminaren werden sowohl theoretisches Wissen wie auch praktische Fertigkeiten vermittelt. „Das ist eine gute Sache. Viele Arbeiten kommen heute im täglichen Geschäft so nicht mehr vor“, sagt der Obermeister der Bauinnung Aurich-Emden-Norden, Folkert Busker (Aurich). Und auch Katharina Duraj vom Bauamt des Landkreises Aurich findet den beschrittenen Weg richtig: „Wir wissen bei entsprechenden Denkmalpflegearbeiten oft nicht, welche Handwerker sich damit auskennen. Deshalb ist es gut, wenn solche Techniken vermittelt werden.“ Denn die Gefahr, dass Gebäude kaputtsaniert werden, wenn Arbeiten nicht fachgerecht ausgeführt werden, sei groß. Die Nachfrage nach geschulten Handwerkern sei auf jeden Fall vorhanden.

Restaurierung ist nach Ansicht von Bente Juhl auch eine Frage der Nachhaltigkeit. „Man muss nicht alles neu machen“, meint sie und zeigt auf einen gemauerten Rundbogen aus alten Steinen. Er wird fachgerecht mit Kalkknotenmörtel wieder aufgebaut. „Das ist ein Mörtel, der besondere physikalische Eigenschaften besitzt“, erläutert Kay Neuling vom Monumentendienst. Gemeinsam mit seiner Kollegin Sarah Mürmann hat er die Auszubildenden in Aurich unterwiesen.

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Bild_Juhl: Projektleiterin Bente Juhl vom Monumentendienst. Foto: HWK/T.Kruse

Bild_Eilers: Studiendirektor Stefan Eilers ist von dem Projekt überzeugt. Foto: HWK/T.Kruse

Bild_Neuling: Kay Neuling erläutert den Aufbau eines Doppelbogens mit alten Steinen. Obermeister Folkert Busker ist an der guten Ausbildung des Nachwuchses interessiert (hinten rechts).
Foto: HWK/T.Kruse

Bild_Tischler1: In der Tischlerwerkstatt versuchen die Auszubildenden Jelto Harms, 20 Jahre (rechts) und der 18jährige Jan Siefken mit einem sogenannten „Speedheater“, einem Gerät mit Infrarot-Heiztechnik, die alten Farb- und Lackschichten einer historischen Holztür zu lösen und sie mit einem Schaber zu entfernen.
Foto: Monumentendienst

Bild_Tischler2: Sarah Mürmann, Inspektorin beim Monumentendienst, zeigt den Auszubildenden Jannik Brandt, 20 Jahre (rechts) und dem 31jährigen Henok Desta, wie man Kitt vorsichtig entfernt, ohne die Fensterrahmen zu beschädigen.
Foto: Monumentendienst

Bild_Maler:
Referent Stefan Kloss zeigt eine Marmorimitation. Der Restaurator im Malerhandwerk vermittelte den Schülern des 3. Lehrjahres im Malerhandwerk die Imitationstechniken, die vor 100 Jahren jeder Maler beherrschte und heute kaum noch einer anwenden kann, weil sie nicht mehr vermittelt werden.
Foto: Monumentendienst

 

Hintergrund Monumentendienst:

Der Monumentendienst ist eine Initiative der gemeinnützigen Stiftung Kulturschatz Bauernhof mit Sitz im Museumsdorf Cloppenburg. Finanzielle Förderung erhält der Monumentendienst von der Europäischen Union im Rahmen des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und vom Ministerium für Wissenschaft und Kultur des Landes Niedersachsen. In der Region tragen die Landkreise Ammerland, Aurich, Cloppenburg, Friesland, Grafschaft Bentheim, Leer, Oldenburg, Osnabrück, Wesermarsch und Wittmund sowie die Städte Emden, Oldenburg und Osnabrück finanziell und ideell erheblich zum Erfolg des Projektes bei.

Das Team aus professionellen und unabhängigen Fachleuten berät objektiv und umfangreich. Das Leistungsspektrum umfasst unter anderem: komplette Gebäude-Inspektionen, detaillierte Inspektionsberichte mit Handlungsempfehlungen, Wintercheck und Monitoring (Überwachung).

Mehr Information: www.monumentendienst.de

Hintergrund Fortbildungen:

In 15 der über 50 kulturguterhaltenden Gewerke können sich Handwerker mit Meisterbrief zum geprüften Restaurator im Handwerk (RiH) weiterbilden, im Bau- und Ausbau wie im Bereich Objektrestaurierung. In der handwerklichen Restaurierung ist der RiH zurzeit die höchste Qualifikationsstufe. Seit Einführung der Fortbildung in den 1980er Jahren haben in Deutschland über 5.000 Handwerker die Prüfung zum Restaurator im Handwerk vor den Prüfungsausschüssen der Handwerkskammern abgelegt.

Liste der Fortbildungseinrichtungen: www.zdh.de