Die individuelle Beratung steht für Maike Rutkat bei ihrer Arbeit im Vordergrund. ©Elke Röbken

Zwischen Beratung und Berufung

Maike Rutkat bringt ale eine der ersten Obermeisterinnen Ostfrieslands neue Führungsqualitäten in das Raumausstatter-Handwerk ein.

Ostfriesland. In der Liste der 38 ostfriesischen Innungen sticht Maike Rutkat aus Aurich hervor. Unter den vielen männlichen Kollegen ist sie die einzige Frau im Kammerbezirk Ostfriesland, die einer Innung vorsteht. „Ich bin nicht die typische Obermeisterin“, bezieht sich die Raumausstatterin nicht auf den Vormarsch in einer Männerdomäne, sondern auf ihre Führungsaufgaben in der Raumausstatter- und Sattler-Innung für Ostfriesland. Die 22 Mitglieder haben die ehemalige Schriftführerin vor zwei Jahren als Nachfolgerin von Harald Gerjets, Raumausstattermeister in Aurich, ins Ehrenamt berufen. Gerjets übernahm damals die Funktion des Präsidenten im Landesinnungsverband.

„Alle Betriebe kämpfen um ihre Daseinsberechtigung“, berichtet die 48-jährige Firmeninhaberin der Johann Christmann Raumausstattung in der Fußgängerzone in Aurich. Aus diesem Grund ist ihr auch ein guter Zusammenhalt zwischen den Meisterbetrieben wichtig. Dafür setzt sie auf zielorientierte Sitzungen, beispielsweise bei einem einstündigen Frühstück, welches sie eingeführt hat. Dann werden fachliche Themen besprochen wie neue Gesetzeslagen und gewerbliche Interessen auf einen Nenner gebracht. Auch als Rechtsbeistand oder in Sachen Lehrlingsstreitigkeiten tritt die Innung auf.

Für das Gewerbe hat sich der Markt erheblich gewandelt. Die Konkurrenz durch Discountware sei enorm, so die Meisterin. Nur mit einer guten Strategie und einem hohen Anspruch an die eigene Arbeit können Handwerker bestehen. Eine Tatsache, die sie mit Stolz erfüllt. „Wir haben es geschafft, kaufkräftige Kunden an unseren Betrieb zu binden. Das ist in unserer Branche nicht einfach“, erzählt sie von dem Familienbetrieb, der 1919 gegründet wurde. Von ihrem Vater erlernte sie ihr Handwerk und übernahm bereits in jungen Jahren die Leitung. Heute führt die Mutter zweier Söhne (18 und 21 Jahre) das Unternehmen in dritter Generation gemeinsam mit ihrem Mann Thomas. Unterstützung erhält sie von einer Gesellin sowie einem Lehrling.

„Ich lebe meine Arbeit, ich liebe Stoffe und die Werterhaltung von Dingen“, bekräftigt die Fachfrau. Sie legt Wert auf individuelle Beratung, eine erstklassige Umsetzung, ökologische Stoffe und nachhaltige Produkte. Dabei arbeitet sie auch mit europäischen Firmen zusammen, die noch handwerklich wertvolle Stoffe herstellen.

Für Maike Rutkat ist das Ehrenamt eng mit der Handwerkstradition verbunden. Ihr Großvater war Mitbegründer des Berufsverbandes in Aurich. Auch ihr Vater hielt das Obermeisteramt inne. Ein gutes Miteinander hätte es früher vor der Fusionierung der einzelnen Berufsorganisationen nicht gegeben. Heute profitieren die Meisterbetriebe von den Synergieeffekten. „Wir sind alle Fachleute und haben ein umfassendes Handwerk erlernt, welches enorm vielseitig ist. Mir ist es wichtig, dass sich keiner unter Wert verkauft“, erläutert die Unternehmerin.

Ganz oben auf der Agenda steht die Nachwuchsausbildung. Rund zehn Lehrlinge werden jedes Jahr angelernt. Die Innung kümmert sich um den Ablauf und die Rahmenbedingungen der Überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung in Oldenburg, der Prüfungsabnahme sowie den Austausch mit den Berufsschulen in Leer, der Kreishandwerkerschaft und der Handwerkskammer. „Sollte diese Arbeit wegfallen, wird eine standortnahe Beschulung für die Betriebe sehr schwierig und teuer werden“, erklärt die Raumausstatterin. Für sie sei allein vor diesem Hintergrund für jeden Handwerksbetrieb eine Mitgliedschaft bereits lohnenswert.

Interessierte Betriebe sind jederzeit willkommen, der Innung beizutreten. Der Kontakt erfolgt über die Kreishandwerkerschaft LeerWittmund unter Tel. 0491 45 42 40 90 0. Näheres auf der Webseite www.handwerk-leerwittmund.de.

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