Die Wilken GmbH hat die digitale Umstellung gewagt: Mittels Barcodes und vernetzter Arbeitsplätze läuft die Produktion automatisiert. © Wilken GmbH

Strategien für die Wirtschaft 4.0

Regionalforum klärt über Chancen und Risiken der vierten industriellen Revolution auf.

Industrie 4.0 oder Digitalisierung sind Begriffe, die derzeit die Wirtschaft umtreiben. Was sich dahinter verbirgt, ist für wenige greifbar. „Ähnlich wie zu Beginn des Internets wollte es jeder haben, aber keiner wusste zunächst etwas damit anzufangen“, hieß es auf dem ersten Regionalforum „Digitalisierung“ in der Hochschule Emden/Leer. „Wir wollen den Megatrend nach Ostfriesland runterbrechen“, begrüßte Dr. Jan Amelsbarg, stellv. Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer für Ostfriesland und Papenburg (IHK), die rund 100 Gäste aus Wirtschaft, Verbänden und Politik. Darunter Bernd Bornemann, Oberbürgermeister der Stadt Emden und Bundestagsabgeordneter Johann Saathoff (Wahlkreis Aurich-Emden).

Kosten sparen, Qualität steigern

Zum Forum hatten mehrere Institutionen der „Initiative Digital“ eingeladen. Darunter auch die Handwerkskammer für Ostfriesland (HWK). „Neben Hammer und Säge haben Bits und Bytes auch vor unseren Betrieben keinen Halt gemacht. Gerade im Handwerk nimmt die vernetzte Produktion, digitale Projektierung oder Zeiterfassung eine immer größere Rolle ein“, kommentierte Helge Valentien, Leiter der HWK-Betriebsberatung, die Auftaktveranstaltung. Die Akteure wollen über die Chancen und Risiken der Digitalisierung aufklären. Denn wer glaubt, mit einem Smartphone und einem E-Mail-Account gut aufgestellt zu sein, irrt sich. Aber, „es ist nicht alles Gold, was glänzt. Die Digitalisierung kann als Wachstumstreiber Unternehmen in die Höhe puschen. Dies geht allerdings nur im Gepäck mit der hässlichen Schwester, dem Datenschutz, einher“, sagte Amelsbarg.

Welche Gestaltungsräume es für Unternehmen gibt, stellten die zahlreichen Referenten vor. So referierte Alexander Georgiadis vom staatlich eingerichteten Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum in Hannover über den Sinn, ein Unternehmen auf „Nullen“ und „Einsen“ einzustimmen. Mit den neuen Technologien ließen sich einige Mehrwerte in Qualität, Zeit, Kosten und Kompetenz erreichen. „Es geht um die Eliminierung von Verschwendung“, sagte Alexander Georgiadis. Vernetzte und digitalisierte Prozesse könnten Arbeitsabläufe vereinfachen und schnellere Kommunikation ermöglichen.

Vision von einer vernetzten Produktion

Wie dieses „schneller, effizienter und schöner Machen“ in der Praxis aussehen kann, verrieten Henning Wagner von Orgadata AG in Leer und Jörn Enk, Prokurist der Wilken GmbH in Wiesmoor. Der Tischlerei- und Metallbaubetrieb stellt mit 42 Mitarbeitern Wintergärten, Überdachungen, Fenster, Türen, Brandschutzelemente und ähnliches für Gewerbekunden auch über die Grenzen Deutschlands hinaus her. Vision des Unternehmens war es, die komplette Fertigung zu automatisieren. Das IT-Unternehmen Orgadata setzte diese mit individuellen Software-Lösungen um. Mittlerweile sind sämtliche Arbeitsplätze vernetzt und die Produktion mit einem Barcode-System ausgestattet.

Mitarbeiter in Wandel einbinden

Plan war es, die aufwendigen, bis zu 300 seitenlangen Projektaufträge so digital einzubinden, dass jeder Mitarbeiter nur die Daten erhält, die für seinen Arbeitsplatz relevant sind. Zu den Vorteilen zählte Enk geringere Laufwege, Fehlproduktionen, Informationsverluste und weniger Papierverschwendung auf. Änderungen seien unkomplizierter umzusetzen. Die Maschinenwartung laufe automatisiert ab, ebenso wie die Zeiterfassung. Gleichzeitig könne im Kundengespräch der Auftragsstatus direkt abgerufen werden.

„Prozessoptimierungen und Vernetzungen wie in diesem Beispiel gehen nur mit einer guten Einbindung der Mitarbeiter einher“, referierte Henning Osterkamp, Unternehmensberater von Einfach.effizient in Oldenburg. Nach seinen Angaben sollten am Anfang einige wichtige Fragen geklärt werden: Welche Vorteile bringt eine Digitalisierung für das Unternehmen? Welche Strategie kann als Geschäftsmodell verfolgt werden? Sind überhaupt die Kompetenzen bei den Mitarbeitern gegeben? Ist die Organisationsstruktur vorhanden? Und welche Hardware kann in Binärcodes umgewandelt werden?

Ansprechpartner vor Ort

Sollten Betriebsinhaber vor dieser Herausforderung stehen, hilft die Handwerkskammer für Ostfriesland, Beratungsleistung zu finden. Ansprechpartner ist Uwe Preschel, Tel. 04941 1797 -61, u.preschel@hwk-aurich.de.

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Initiative Digital

Mitglieder der „Initiative Digital“ sind das Emder Gründungszentrum (EGZ), die Handwerkskammer für Ostfriesland (HWK), die Hochschule Emden/Leer, die Industrie- und Handelskammer Ostfriesland und Papenburg (IHK), das IT-Kompetenzzentrum Leer, die Technologietransferagentur Ostfriesland (TTAO), der Wirtschaftsförderkreis Harlingerland und die Zukunft Emden GmbH.