Vertreter der Handwerkskammer und die Podiumsgäste freuen sich über den gemeinsamen Austausch. © HWK

Neue Anreize schaffen

Beim Frühstück in der Handwerkskammer drehte sich alles um Nachwuchsgewinnung.

Ostfriesland. Fachkräfte sind Mangelware. Nicht nur diejenigen, die es bereits sind, auch die, die es einmal werden wollen. In Zeiten, in denen es viele Jugendliche ins Studium zieht, muss das Handwerk neue Wege gehen, um Lehrlinge in die Betriebe zu holen. Beim Handwerkerfrühstück, das die Handwerkskammer für Ostfriesland am Tag des Handwerks in Aurich veranstaltet hat, drehte sich alles um Nachwuchsgewinnung und die Frage, wie man das Handwerk für junge Leute attraktiver machen kann.

Einen Durchbruch, was Anreize für eine Karriere im Handwerk angeht, haben die niedersächsischen Handwerkskammern erst vor kurzem in einem Gespräch mit dem Nieders. Wirtschaftsminister Olaf Lies erreicht. Vor vollem Haus erklärte Albert Lienemann, Präsident der Handwerkskammer für Ostfriesland beim Frühstück in Aurich, dass rückwirkend zum 1. September 2017 jeder mit niedersächsischem Wohnsitz, der seine Meisterprüfung bestanden hat, eine Prämie von 4.000 Euro erhält. Diese Förderung der Nachwuchsführungskräfte sei wichtig. „Ohne Fachkräfte hat auch unser Handwerk keine Chance“, sagte Lienemann und diese fähigen Mitarbeiter seien rar auf dem Arbeitsmarkt geworden.

Referent Harald Krebs, Leiter des Amtes für Digitalisierung und Wirtschaft des Landkreises Leer sprach von der „Entjüngung der Gesellschaft“ und schlug dem Handwerk neue Wege der Nachwuchsgewinnung vor. Beispielsweise könnten Nachwuchskräfte aus den benachbarten Niederlanden angeworben oder es könnten Bachelorarbeiten für Studierende im Betrieb ausgeschrieben werden.

Daniel Dirkes, Chef der artland Marketing GmbH in Märzen, plädierte indes für mehr Kommunikation bezüglich der eigenen Stärken. Oftmals seien sich die Unternehmen zwar bewusst, was sie attraktiv für junge Bewerber mache, aber sie kommunizierten es nicht nach außen. Der Referent riet jedem Unternehmer, sich zunächst einmal die Frage zu stellen: „Wofür stehe ich?“ Sei darauf eine Antwort gefunden, so gelte es, vor allem im Internet genau das auch für jeden ersichtlich darzustellen.

In einer von Katharina Guleikoff, Radiomoderatorin aus Bremen, geführten Diskussionsrunde trafen die Unternehmer Martin Lorenz, Geschäftsführer der Lorenz Bäcker Victorbur GmbH aus Aurich und Helmut Hoffmeier, Geschäftsführer der Fa. Siebelt Hoffmeyer GmbH aus Aurich mit Uwe Biermann, Leiter der Berufsbildenden Schulen II in Aurich, zusammen. Alle drei waren sich einig darüber, dass sich die Situation auf dem Markt für Auszubildende geändert habe. Biermann sagte: „Wir bekommen auch nicht mehr immer die Schüler mit den sehr guten und guten Noten.“ Dieses Problem hat auch Lorenz erkannt. Ihm komme es aber nicht in erster Linie auf Noten an sondern darauf, dass Lehrlinge verlässlich und freundlich seien.

Als Anreiz für einen Ausbildungsbeginn in seinem Unternehmen bietet Lorenz unter anderem an, seinen neuen Lehrlingen den Führerschein zu bezahlen. Hoffmeier hingegen setzt darauf, den jungen Leuten schon früh den Beruf nahe zu bringen. Beispielsweise frage er bereits im Vorfeld des Zukunftstages ab, welchen Bereich seines Unternehmens die jungen Leute am meisten interessierten.

Egal, was unternommen wird, um den Nachwuchs für den eigenen Betrieb zu begeistern, die Hauptsache ist, es wird etwas getan. Frei nach dem Motto der Imagekampagne des deutschen Handwerks: #einfachmachen.

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