Der Künstler Enock Maguru Charways (v.r.) mit Christine Ribani und Gisela Hillers, Ausstellungsorganisatorin der Handwerkskammer, vor dem Bild „Die Verbindung“. © HWK

Kfz-Azubi zeigt Gefühlswelten

Der Germania-Leer-Spieler und Künstler Enock Maguru Charway stellt seine Werke in der Handwerkskammer für Ostfriesland aus.

Ostfriesland. In Enock Maguru Charways Brust schlagen drei Herzen: eines für den Fußball, eines für die Kunst und eines neuerdings für das Kfz-Handwerk. „Alles unter einen Hut zu bringen, ist nicht immer leicht“, erzählt der Mittelfeldspieler vom VfL Germania Leer. Dennoch hat der 26-jährige Afrikaner neben dem Fußballtraining und der im letzten Jahr begonnenen Lehre zum Kfz-Mechatroniker die Zeit gefunden, seine Kunstausstellung „Emotions“ (Gefühle) für die Handwerkskammer für Ostfriesland vorzubereiten.

Seit Anfang Februar werden seine Bleistift-Zeichnungen und großformatigen Acryl-Malereien im Foyer des Verwaltungstraktes an der Straße des Handwerks 2 in Aurich ausgestellt. Interessierte können die insgesamt zwölf Werke werktags zu den Öffnungszeiten noch bis Ende August besichtigen. Dass seine Bilder gesehen werden, „liegt ihm sehr am Herzen“, berichtet Christine Ribani. Die Jugendmigrationsberaterin des AWO Kreisverbandes im Landkreis Leer unterstützt ihn bei seinen Projekten. Die Bilder des studierten Künstlers wurden sogar schon im Völkerkundemuseum in Hamburg präsentiert.

In Ghana besuchte Charway für dreieinhalb Jahre eine Hochschule für bildende Künste. „In Afrika können Talente auch von ihrer Arbeit leben, Geld verdienen“, sagt er. In Deutschland sehe er da keine großen Perspektiven. Umso glücklicher ist er über seine Lehrstelle im Autohaus Völcker und Peters in Leer. Auch das Kfz-Handwerk hat für ihn etwas Kreatives. Fehler an den Fahrzeugen ausmachen und die Probleme beheben: „Wenn man konzentriert ist, findet man die Lösung.“ Ähnlich sei es auch in der Kunst. Charway arbeitet so lange an seinem Bild, bis die Farben perfekt zu dem passen, was er vermitteln will. Das kann dann auch mal mehrere Monate dauern.

„Die Arbeiten spiegeln meine Gefühle wider“, erklärt der Picasso-Fan. Ein Jahr habe er an seinen abstrakt, figürlichen Bildern speziell zum Ausstellungstitel gearbeitet. „Überleben“, „Meine Schweigezeit“, „Die Verbindung“ oder „Halcyon“ (Glücklich) heißen einige seiner Malereien. Aber auch Bleistiftzeichnungen, wie die des Germania-Betreuers Ulrich Berns, sind zu bewundern.

Über die Farben und Gesichter transportiert er seine Eindrücke auf die Betrachter. Er will damit hinter die Masken der Menschen schauen, verarbeitet gleichzeitig aber auch sein Innenleben. Dafür legt der Wahl-Leeraner die eine oder andere Nachtschicht ein. Er erzählt, dass ein Einfall so drängend werden könne, dass er sich krank fühle, wenn er ihn nicht gleich auf Leinwand banne.

Christine Ribani lernte Charway 2009 kennen, als er nach Deutschland kam. „Des Fußballs wegen“, sagt der Afrikaner. In Ghana habe er in der ersten Liga im Verein „Hearts of Oak“ gespielt. Sehr erfolgreich sogar. Allerdings wollte er seine Karriere weiter aufbauen. Zunächst spielte er in anderen Ländern, bis er in Leer Fuß fassen konnte. „Ich bin sehr herzlich und freundlich von den Leuten aufgenommen worden“, so Charway. Mittlerweile ist der Ballvirtuose in der Szene bekannt. In nächster Zeit wird er etwas kürzer treten müssen. Die Ausbildung fordert seine ganze Aufmerksamkeit. Für die Zukunft wünscht er sich, seine Abschlussprüfung zu bestehen. Auch ein Meistertitel wäre toll. Aber darauf wagt er noch nicht zu hoffen.

3239 Zeichen